Helmut Portele (20.04.1940 – 12.12.2018)

Ein Multitalent, ein Querdenker, ein Mann mit Visionen.

Gründer, Kurator, Vorsitzender der Sammlung Wiener Tramwaymuseum und Inhaber sowie geschäftsführender Gesellschafter der Viennasound Studios VRC GmbH, beides bis zu seinem Todestag, genauso wie Helmut Portele das stets wollte: arbeiten bis zur letzten Sekunde. Seine Arbeit war sein Lebensinhalt – und er füllte sein Leben mit viel Inhalt.

Geboren mitten im zweiten Weltkrieg lernte Helmut früh nichts für selbstverständlich zu nehmen.
Die damals notwendige Sparsamkeit prägten ihn gleichermaßen wie die Nachkriegsjahre, in denen aus den Trümmern alles Neu entstand. Dieses Vertrauen in die Schaffenskraft jedes Einzelnen und die daraus erwachsende Zuversicht half ihm, wahrhaft aus dem Nichts und ganz aus eigener Kraft einerseits die größte, auf eine Stadt bezogene Sammlung historischer Straßenbahnen und andererseits das größte private Universalstudio Österreichs aufzubauen.

Helmut Portele legte nicht nur den Grundstein für die museale Sammlung von Schienenfahrzeugen in Österreich, gründete das Wiener Tramwaymuseum und half beim Aufbau des Tramway-Museum in Sankt Petersburg (Russland) mit, sondern machte sich auch als Tontechniker und Location-Manager einen Namen, arbeitete persönlich mit Walt Disney und für Universal Pictures, gründete seine erfolgreichen Viennasound Studios und schrieb tontechnische Abhandlungen, z.B. über Tonband-Archivierung, die bis heute Gültigkeit haben.

Doch der Reihe nach, alles zur Bahn in Rot, alles zur Studiotechnik in Blau

In Wien am 20. April 1940 in den Wirren des zweiten Weltkriegs als jüngstes Kind einer fünfköpfigen Familie geboren, verbrachte Helmut Portele seine früheste Kindheit in Hietzing und Speising. Dort, nahe der Verbindungsbahn entdeckte er bald seine Faszination für die Straßen- und Vollbahn. Daher quälte er seine Mutter schon mit 4 Jahren so lange bis sie ihm das Lesen und vor allem auch das Schreiben beibrachte, damit er sich alle vorbeifahrenden Züge notieren konnte. Diese genaue Art sollte ihm in seinem weiteren Leben noch oftmals nützlich sein.
So auch in der Schule, in welche er erst verspätet eintreten konnte. Helmut war nämlich am Ende des Krieges so abgemagert, dass er - wie einige Kinder damals - zum körperlichen Aufbau in die Schweiz, nach Holland und auch nach Spanien geschickt wurde. Als er dann erst nach Schulbeginn wieder in Wien eintraf, fand man für ihn nur noch Platz in einer reinen Mädchenklasse. Als er im nächsten Schuljahr in die Bubenklasse wechseln sollte, wehrte er sich tränenreich und da ihn auch seine Klassenkameradinnen nicht hergeben wollten, blieb er in der Mädchenklasse bis zum Wechsel ins Gymnasium. Das daraus erwachsene Verständnis für Mädchen und Frauen machte ihn beim anderen Geschlecht in seinem weiteren Leben immer sehr beliebt.
Obwohl er während seiner ganzen Schullaufbahn, bis zum Abschluss seiner Matura in der HTL Mödling, immer ein sehr guter Schüler war, hatte er stets viele Interessen abseits des Schuldaseins. Um Zeit zu sparen, schrieb er immer in der Stunde mit – bereits in der Volksschule in Normschrift – und lernte in der Straßenbahn am Schulweg. Schon als 12-jähriger trat er - als jüngstes Mitglied - dem „Verband der Eisenbahnfreunde“ bei und wurde im Jahre 1956 mit 16 Jahren als 2. Schriftführer Funktionär, da er sich besonders um die museale Erhaltung historisch wertvoller Schienenfahrzeuge Verdienste erwarb. Nach dem tödlichen Unfall des Gründers des Vereins, Verbandssekretär Elfried Schmidt, übernahm Helmut gemäß dem Wunsch des Verstorbenen dessen Aufgaben, reorganisierte den Verband und definierte neue Ziele. Er legte die Schwerpunkte des neuen Arbeitsprogramms auf den Aufbau einer Dokumentation des österreichischen Eisenbahnwesens durch die Erhaltung von Originalfahrzeugen samt dazugehörigen Betriebseinrichtungen und auf das Betreiben einer aktiven Verkehrspolitik mit Interessenvertretung der Fahrgäste.

Im Jahre 1957 hatte er die Kriterien und eine Aufstellung aller historisch und konstruktiv wertvoller österreichischen Schienenfahrzeuge der Vollbahnen, Lokal- und Straßenbahnen, Feld- und Industriebahnen und dazugehöriger Einrichtungen erarbeitet, welche die Grundlage zur Erhaltung im Rahmen des Österreichischen Eisenbahnmuseums (ÖEM) – damals Dienststelle der ÖBB, später vom Technischen Museum Wien übernommen – wurde. Seinem persönlichen Einsatz in den Jahren der Ausscheidung der alten Fahrzeuge ist die Erhaltung der meisten Lokomotiven, Triebwagen und Waggons in den 1950er- und 1960er-Jahren in Österreich zu verdanken. Er verfasste viele einschlägige Publikationen als Arbeitsgrundlage für die Schienenfahrzeugerhaltung und Dokumentation.


Parallel dazu folgte Helmut aber genauso intensiv seiner zweiten Leidenschaft, die der Musik. Ebenfalls bereits als Zwölfjähriger durfte er bei Studioaufnahmen zusehen und so die Grundlagen in sich aufsaugen. Als Teenager gründete er dazu noch seine eigene Band und trat als Sänger bevorzugt mit Elvis Presley Nummern auf. Er feierte Erfolge als Musiker, trat in diversen Bars und Clubs auf und bekam sogar ein Angebot für einen Plattenvertrag. Dieses Angebot konnte er aber nicht wahrnehmen, da sein Vater meinte, er müsse zuerst seine Matura machen.

Dafür bot sich im Aufnahmebereich eines Tages eine unerwartete Chance. Helmut war im Wiener Konzerthaus um, wie schon oft, einer Aufnahme beizuwohnen als der engagierte Tontechniker nicht kam. Da das komplette Orchester anwesend war und eine Absage des Termins viel Geld gekostet hätte, gab man dem damals 17-jährigen Portele die Möglichkeit sein Können zu zeigen. Frei nach dem Motto: „abbrechen und alle nach Hause schicken können wir noch immer.“ Doch dies war nicht nötig. Helmut bestand die Feuertaufe mit Bravour und hatte sich damit auch zukünftige Aufträge als Tontechniker gesichert.


Ähnlich wie bei den Studioaufnahmen machte es Helmut auch bei der Bahn. So war er bald bei allen Fahrern und Werkstätten-Mitarbeitern des Bahnhofs Speising bekannt. Hatte Helmut am Anfang nur den Fahrern begeistert auf die Finger geschaut und sich mit diesen angefreundet, durfte er später selbst immer wieder einen Wagen einziehen oder verschieben und half auch in der Werkstätte mit. All dies war natürlich, damals wie heute, nicht gestattet, aber einerseits waren die Zeiten andere und andererseits machte es Helmuts Beharrlichkeit stets schwer, ihm Dinge auf Dauer abzuschlagen.

Von 1955 bis 1960 vertiefte er sein Wissen in beiden Bereichen bei Praktika in der Elektrotechnik bei der Elektrifizierung der Österreichischen Bundesbahnen (Südbahn und S-Bahn) bei der EILIN Union und in der Nachrichtentechnik bei den Firmen WIRAG und Stuzzi. So widmete er ab seinem 15. Lebensjahr seine gesamten Schulferien seiner praktischen Ausbildung. Er sagte stets lachend seine letzten Ferien hätte er mit 14 Jahren gehabt. Es war ihm immer leid um Zeit, die er nicht produktiv verbringen konnte.

Nach erfolgreich abgeschlossener Matura in Elektrotechnik an der HTL Mödling und Ableistung seines Militärdienstes 1961 beim Heeres-Tel-Bataillon in Wien und St. Johann im Pongau, schloss er 1964 am Institut für Tontechnik in Nürnberg seine Ausbildung zum Ingenieur für Elektrotechnik mit Spezialgebiert Ton- und Rundfunktechnik ab (Studio- und Aufnahmetechnik, Audiotechnik, Akustik, Signalverarbeitung, Regelungstechnik sowie musikalische Grundlagen). Danach besuchte Helmut Vorlesungen an der Technischen Hochschule Wien (heute Technische Universität Wien), doch kam er wegen anhaltendem Zeitmangel von dem Vorhaben eines Studiums wieder ab.

Helmut war in dieser Zeit sehr intensiv als Tontechniker – zum Beispiel in Hamburg bei Aufnahmen mit den Beatbrothers (später unter den Namen Beatles berühmt geworden) – im Einsatz, kam aber auch seinen Verpflichtungen als Verbandssekretär des VEF nach. Im Jahre 1962 kam Helmut bei den Dreharbeiten zu „Miracle of the White Stallions“ (Das Wunder der weißen Pferde) – ein Film von Walt Disney – zu doppeltem Einsatz. Ursprünglich als Tontechniker engagiert, brachte er sein Wissen über die Bahn ein, um den perfekten Aufnahmeort für einige Szenen des Films – die Evakuierung der Lipizzaner mit dem Zug – zu finden. Dabei fiel er Walt Disney auf und so wurde er von ihm kurzerhand eingeladen gemeinsam nach Russland als Location-Manager zu fliegen. Ein Mitgrund für dieses Angebot war auch, dass die Amerikaner, welche nicht den Status eines Walt Disneys genossen, keine Einreiseerlaubnis nach Russland bekamen, aber Helmut, aus dem neutralen Österreich, sehr wohl. So kam es, dass tatsächlich Helmut und Walt Disney alleine flogen, um Drehorte für Disney-Naturfilme zu finden. Diese Zusammenarbeit öffnete Helmut dank eines Empfehlungsschreibens die Türen von Hollywood und brachte ihm einen Zehn-Jahres-Vertrag mit MCM-Universal. Von da an wurde er immer weiter empfohlen, hat Film-Locations ausgesucht, die Ausstattung (historische Kostüme, Requisiten) übernommen, Bild, Ton, etc. gemacht und war an über 100 Kinofilmen und bei zahlreichen Tonaufnahmen als Konsulent und Tonmeister beteiligt (u.a. für MCA-Universal Pictures, Pinewood, Cinecitta-Roma, Bavaria, BBC, NBC, Sony, ORF, EMI, uva.).

Obwohl Helmut mit den Filmcrews die ganze Welt bereiste und eine Zeit lang auch Los Angeles als seine zweite Heimat bezeichnete, vergaß er nie seine erste – nämlich Wien.

Helmut nutze seine internationalen Verdienste einerseits dazu im Jahre 1965 die Firma „Viennasound Studios VRC - Studios für Video Radio Cinema“ in Wien zu gründen,
und beschloss andererseits ebenfalls in den 1960er-Jahren, seine Kraft und sein Geld in die Erhaltung historisch wertvoller Wiener Straßenbahnwagen zu investieren.

Diese Anstrengungen krönte er im Jahre 1966 mit der Gründung der Sammlung „Wiener Tramwaymuseum“. Er hatte in diesem Jahr durch seine Leistungen sowohl die Politik, in Person von Frau Vizebürgermeister und Kulturstadträtin Gertrude Fröhlich-Sandner und des amtsführenden Stadtrates für Verkehr, Franz Nekula, als auch den Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, Dr. Karl Reisinger, von seinem Projekt überzeugt.
Im Jahr 1972 wurde das „Wiener Tramwaymuseum“ durch Frau Vizebürgermeister Gertrude Fröhlich-Sandner im Bahnhof Ottakring eröffnet und war bis 16. Februar 1986 regelmäßig an Wochenenden und Feiertagen und im Zuge von Führungen öffentlich und kostenlos zugänglich.
In dieser Zeit gab es von 1973 bis 1985 auch mit Wagen aus dem Wiener Tramwaymuseum die regelmäßigen Tramway-Stadtrundfahrten - jeden Sonntag - „Rund um Wien“, welche analog zu den bereits in den Jahren 1907 bis 1915 als „Rund um Wien-Salonwagenfahrten“ durchgeführt wurden.

Die Sammlung selbst entstand durch Kauf und Rekonstruktion von zur Verschrottung bestimmter historisch und konstruktiv wertvoller 181 Wiener Straßenbahn-Fahrzeuge und dazugehörender Einrichtungen, von denen es gelang, die meisten bis heute für Wien zu erhalten sowie durch den Aufbau eines Archivs zur Dokumentation des Wiener öffentlichen Stadtverkehrs.

Ermöglicht wurde dies durch Helmuts bereits beschriebene Beharrlichkeit, seinem Durchhaltewillen und seinem privaten Vermögen,
dass er in seinem Hauptberuf als Ton- und Filmingenieur erwirtschaftete. Denn in seinem anderen Leben in den Viennasound Studios produzierte Helmut Portele für den ORF, die Werbewirtschaft, aber auch für die größten Filmfirmen und Plattenlabels. Er arbeitete mit Peter Falk, Peter Sellers und Peter Patzak, sowie mit allen großen Schauspielern des deutschen Sprachraums und vielen international bekannten Musikern. Zu seinen Freunden zählten bereits aus Jugendtagen Erika Mottl, Senta Berger, Klaus Wildbolz und Christine Schuberth, später Marisa Mell, Conny Froboess, Peter Kraus, Peter Alexander, Peter Hofbauer, Marianne Mendt, Dolores Schmidinger, Frank Hoffmann, Götz Kaufmann, Ernst Hinterberger, Otto Clemens, Marianne Nentwich, Andy Woerz, Gary Lux, und noch viele mehr Gerald Pichowetz gab Helmut mit seiner Ansprache und Wolf Frank mit seinem Gesang die letzte Ehre auf seiner Trauerfeier.

Gleichzeitig machte sich Helmut einen Namen mit seinen tontechnischen Fach-Publikationen:

„Untersuchung des Kopiereffektes bei Lagerung von Tonaufzeichnungen auf Magnetbändern und die Bedeutung des Innen- und Außenwickels bei der Bandarchivierung“ (1960),
„Erarbeitung eines Archivierungssystems für Tonträger nach Inhalten mit der Möglichkeit der späteren Übernahme in ein automatisiertes Archivierungssystem“ (1962),
„Standard-Ausrüstung in Tonstudios für Rundfunkproduktionen und Filmsynchronisationen, sowie die Bedeutung der Stereophonie und Mehrspurtechnik für künftige Produktionen“ (1963),
„Schalldämmung und Raumakustik für Ton- und Filmstudios und die Probleme der Kommunikation zwischen Technik und Künstler“ (1964),
„Möglichkeit der Steuerung von Ton- und Filmgeräten mittels Real-Zeit-Codes“ (1972).
Die digitale Archivierung auf DAT-Cassetten wurde durch seine Expertise durch SONY zum Standard der digitalen Archivierung erklärt.

Doch auch bei den Viennasound Studios gab es Rückschläge, von denen sich andere wohl kaum erholt hätten. Nachdem er die ersten Jahre seiner Selbstständigkeit als Toningenieur in Mietstudios verbrachte, diese aber nicht seiner Vorstellung eines perfekten Studios entsprachen, begann er 1973 mit dem Aufbau seines eigenen Universalstudios in Wien 15, Holochergasse 24. Im Jahr 1978 wurde der gesamte Studiokomplex in Betrieb genommen und Helmut konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Daraufhin wurde bereits im nächsten Jahr 1979 die gesamte Studio- und Büroeinrichtung bei einem schweren Einbruch zerstört. Helmut Portele antwortete auf diesen Rückschlag mit einem Totalumbau und einer Neueinrichtung der Studios auf letztendlich gesamt 1870 m2: größer, schöner, besser.


Zur selben Zeit arbeitete er von 1968 bis 1978 bei der Erarbeitung des Verkehrskonzeptes für den öffentlichen Verkehr in Wien bei der MA 18 unter Dipl.-Ing. Dr. Gilnreiner und Dipl.-Ing. Wünschmann mit.

Im Jahre 1986 nach 20 Jahren Aufbau der Sammlung Wiener Tramwaymuseum mit unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden zur Rekonstruktion, Wartung und Erhaltung Jahrzehnte alter Unikate durch Helmut und seine Mitarbeiter übersiedelte das „Wiener Tramwaymuseum“ von Ottakring nach Erdberg, wurde von den Wiener Verkehrsbetrieben als Leihgabe übernommen und in „Wiener Straßenbahnmuseum“ umbenannt. Auch die erfolgreichen regelmäßigen Stadtrundfahrten wurden an die Wiener Verkehrsbetriebe abgegeben.


In den 1990er Jahren begann Helmut seine Kontakte nach Russland zu aktivieren, aus denen ein Joint-Venture-Vertrag mit der St. Petersburger Philharmonie und dem St. Petersburger Rundfunk resultierte, an dessen Verhandlungen übrigens ein gewisser Herr Putin als damaliges Mitglied der Petersburger Stadtregierung beteiligt war und der Helmut Portele seitdem persönlich kannte. Dieser Vertrag bescherte Russland modernste Studio-Technik und Helmut wahre Schätze der klassischen Musik, die außerhalb Russlands davor noch nie zu hören waren.

Revolutionär war sein dafür verwendetes System des digitalen Restaurierens von historischen Aufnahmen klassischer Musik, eine Meisterleistung zwischen heutigem Hör-Anspruch und Erhalt des originalen Klanges von Caruso bis Mravinskij. Hier kam sein ebenso allumfassendes Wissen über klassische Musik wie sein perfektes Gehör zum Einsatz.

Ab 1988 war Helmut mehr als fünfzig Mal in St. Petersburg, meist für zwei Wochen. Und es wäre nicht Helmut Portele gewesen, hätte er nicht auch dort Spuren über seine Lebenszeit hinaus hinterlassen. Gleich zu Beginn seines Engagements fiel ihm im St. Petersburger Rundfunkinstitut eine Gruppe junger innovativer Techniker auf. Er machte es sich zur Aufgabe diese zu fördern, schenkte ihnen westliche Technologie, zu denen man in der Zeit des Eisernen Vorhangs als Russe keinen Zugang hatte, finanzierte weiters ihren ersten Messeauftritt in Wien um ihre selbstentwickelten revolutionären Tontechnik-Softwarelösungen im Westen vorstellen zu können und stellte sie zudem seinen Geschäftspartnern im Bereich der Tontechnik in Deutschland und den Niederlanden vor. Heute ist daraus die Firma Tract geworden, mit in etwa 100 Mitarbeitern und Aufträgen für die Einrichtung von Studios im gesamten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und darüber hinaus bis London, Berlin, Washington und Istanbul. Die Freundschaften halten bis heute.


Ein St. Petersburger Journalist, den Helmut im Zuge seiner Studioarbeit kennenlernte, engagierte sich in seiner Freizeit im St. Petersburger Tramwaymuseum, das damals aus ein paar jämmerlichen Schrottwagen bestand, von denen teilweise nur mehr das Gerippe übrig war.

Helmut Portele erzählte wie er das Tramwaymuseum in Wien aufgebaut hatte, gab den Petersburger Kollegen praktische Tipps zur Wagenrestaurierung genauso wie ein Museumskonzept an die Hand. Daraus ist nun ein stattliches Museum entstanden und man kann, genauso wie in Wien auch in St. Petersburg, Sonderfahrten mit historischen Wagen machen. Die wunderschön restaurierten Wagen durften bereits bei einigen Paraden glänzen.

Auch in Wien beschäftigte sich Helmut neben seinen Studio-Tätigkeiten in den nächsten Jahren weiterhin damit die Sammlung Wiener Tramwaymuseum zu vervollständigen. Trotz einiger Stolpersteine und bewusst gelegter Hindernisse gelang ihm der Aufbau der vollständigsten auf einen Betrieb bezogenen Sammlung der Welt, ohne jemals dafür Subventionen benötigt zu haben.

Sein 2009 herausgegebenes, fast eintausend Seiten starkes Werk „Sammlung Wiener Tramwaymuseum“ mit einem geschichtlichen Abriss der gesamten Wiener Verkehrsgeschichte wird in Fachkreisen ob seiner allumfassenden Komplexität nur „die Bibel“ genannt. In diesem Werk finden die werten Leser die detaillierte Entstehungsgeschichte der Sammlung, die diesen Nachruf sprengen würde.

Für die – in der Zwischenzeit von den Wiener Linien – geführte Ausstellung kam es 2012 zu einer Änderung. Das Straßenbahnmuseum wurde in seiner damaligen Form geschlossen und 2014 als Verkehrsmuseum in neuem Glanz wiedereröffnet. Helmut konnte mit dem Ausstellungsgestalter Dr. Christian Rapp und dem Museumsbeirat der Wiener Linien gemeinsam eine attraktive Ausstellung des öffentlichen Wiener Stadtverkehrs schaffen. Dieses neue Konzept, obwohl komplett in Helmuts Sinn, sowie der generelle Platzmangel am Wiener Netz brachte ein massives Platzproblem für das WTM und viele sahen schon ein Ende der Sammlung voraus. Doch Helmut hatte immer Visionen, sah nie Probleme, sondern nur Lösungen und Chancen. So kam es, dass das Wiener Tramwaymuseum heute einen zweiten Standort in Traiskirchen (Niederösterreich) hat mit einem zweiten Museum mit 29 Ausstellungsfahrzeugen, sowie einer Restaurierwerkstätte, einer Remise mit weiteren Fahrzeugen und einem großen Ersatzteillager.

In Summe umfasst die Sammlung heute 109 denkmalgeschützte Museumsfahrzeuge, viele Groß- und Kleinexponate (Fahrzeug- und Streckenausrüstungen, Fahrzeugbesteckungen, Modelle, Bildtafeln, Pläne und Schriften) und unzählige Fahrzeug-Ersatzteile.


Helmut Portele war so vielseitig, dass seine Gesamtpersönlichkeit kaum zu erfassen war. Er war ein wandelndes Lexikon und ein Querdenker, voller Innovations- und Schaffenskraft. Er war immer eine Triebfeder in all seinen Unternehmungen und wusste Menschen für seine Ziele zu begeistern. So gab es in seinem Leben auch unzählige helfende Hände, die ihn unterstützten, aber auch er gab vielen Menschen Rückhalt und war ihnen ein großes Vorbild.

Helmut hat seine Liebe zur Tramway tagein, tagaus gelebt, sie mit den Museumsmitarbeitern, Freunden des Wiener Tramwaymuseums und mit seiner Familie geteilt, und bei vielen, vielen Anderen – jung wie alt – geweckt. Kein Wind zu stark, keine Hürde zu hoch, kein Weg zu weit, keine Mühen zu anstrengend. Helmut Portele war tief davon überzeugt, dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur daran glaubt und sich von seinen Visionen nicht abbringen lässt. Und sein Lebenswerk gibt ihm Recht. Getragen von dieser Überzeugung, die er an alle weitergab, führen seine Frau Elisabeth und sein Sohn Patrick, gemeinsam mit Helmuts Freunden und Wegbegleitern sein Lebenswerk weiter.


In diesem Nachruf soll den werten Lesern auch ein Blick auf den „privaten“ Helmut Portele gestattet sein.
Von seiner Frau Elisabeth:
Mit Helmut zu leben war ein bisschen wie die Fahrt auf einer Hochschaubahn: Hochs und Tiefs wechselten so schnell, dass man weder Zeit fand, in den Tiefs zu versinken noch die Hochs wirklich zu genießen. Man konnte sich nur an ihm festhalten und hoffen, sein Tempo mithalten zu können. Ich wünschte mir immer ein „nicht langweiliges Leben“ und dieser Wunsch ging manchmal zu sehr in Erfüllung. Private Feiern waren nicht seine Lieblingsbeschäftigung und so wurden Geburtstage und Hochzeitstage oft nur aus Rücksicht auf die übrige Familie gefeiert. Helmut war äußerst bescheiden und blieb sein Leben lang in seiner 54 m2 großen Gemeindewohnung im 23. Wiener Bezirk. Er sagte manchmal lachend, andere kaufen sich eine Villa an der Côte d'Azur, er habe stattdessen lieber das Wiener Tramwaymuseum geschaffen. Helmut gab mir nie das Gefühl, er wisse mehr oder sei jemand Besonderer und von vielen Verdiensten aus seinem Leben erfuhr selbst ich als seine Ehefrau nur durch Zufall. Er war ein unglaublich liebevoller Mann und in all den Jahren unserer Ehe gab es nie auch nur ein einziges Wort der Kritik an mich. Als wir heirateten war ich gerade mal 21 Jahre alt, doch unser Altersunterschied war nie spürbar. Er versuchte nie über mich zu bestimmen oder mich zu bevormunden. Sein Leben zu meinem zu machen, war ganz allein meine Entscheidung. Ich wollte einfach all das mit ihm teilen, was für ihn so wichtig war. Er war stets in jeder Hinsicht absolut ehrlich zu mir und so konnte ich mich zu hundert Prozent auf seine Liebe verlassen. Der Mensch, der ich heute bin, bin ich dank ihm, denn wenn man sein Leben mit einem solchen Mann verbringt, prägt einen das unweigerlich. Ich bin dankbar für die vielen liebevollen gemeinsamen Jahre und denke jeden Tag in Liebe und mit Sehnsucht an ihn.



Nachfolgend lassen wir Helmut selbst mit Auszügen aus einem Interview aus den späten 1990er Jahren zum Thema Erfolg zu Wort kommen:

Was ist für Sie Erfolg?
Das, was man sich vorgenommen hat zu erreichen, etwas für die Zukunft zu schaffen und etwas bewegen zu können.

Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Für meinen Geschmack als zu wenig erfolgreich. Man darf sich nicht ausruhen, muss immer weiterarbeiten.

Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Man muss täglich Dinge entscheiden, die zum Erfolg führen, z.B. wichtige Investitionen. Richtig war auch die Entscheidung die Bildnachbearbeitung hier im Haus zu machen. Wir haben uns sehr früh digitalen Medien zugewandt und waren in Europa die Ersten.

Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Flexibel und an vielem interessiert zu sein, ich lerne ständig, bin genau, beharrlich, kann auf Menschen eingehen und deren Probleme zu den meinen machen. Ich bin für die Erhaltung alter Dinge, um damit den Fortschritt aufzuzeigen.

Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Technisches Know How, Wissen, ständige Weiterbildung, um sich nicht auf Mitarbeiter verlassen zu müssen. Ich muss mehr wissen, damit ich nicht abhängig werde.

Haben Sie Ihre Tätigkeiten angestrebt?
Ja, ich müsste aber 300 Jahre alt werden, um all das zu tun, was ich möchte.

Welche Rolle spielen Familie und Mitarbeiter?
Wir sind eine große Familie und das freundschaftliche Betriebsklima ist wichtig.

Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein und wie motivieren Sie diese?
Wichtigstes Kriterium ist die menschliche Kompetenz. Natürlich ist auch das fachliche Wissen entscheidend, aber jeder kann alles lernen, wenn er will. In der heutigen Zeit steht jedem jegliche Möglichkeit offen.

Kennen Sie Niederlagen?
Für mich sind sie ein Ansporn es jetzt erst recht besser zu machen.

Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Aus der Familie, wir besprechen alles gemeinsam, haben keine Geheimnisse und trennen beruflich nicht von privat. Wir lassen einander am Leben teilhaben. Es nicht so zu machen, wäre eine Missachtung des Partners.

Ihre Ziele?
Da finde ich immer wieder neue. Obwohl ich nie Urlaub gemacht habe, habe ich die ganze Welt gesehen, wenn auch nur Flughäfen, Hotels oder Drehorte. Seit zehn Jahren bin ich immer wieder in St. Petersburg, kenne den Direktor, Manager und Anwalt der Eremitage, aber außer einigen Zimmern, durch die ich gegangen bin, kenne ich nichts davon.

Haben Sie Anerkennung erfahren?
Ja, durch Weiterempfehlungen.

Ihr Lebensmotto?
Man kann nie genug gemacht und erreicht haben.

Ihr Erfolgsrezept?
Alles 100%ig oder noch besser zu machen. Alle Probleme zu meinen eigenen zu machen und sie bestmöglichst zu lösen.

Haben Sie Vorbilder?
Ich schätze Persönlichkeiten mit Beharrlichkeit, die an ihr Ziel glauben und nicht bei jedem Misserfolg aufgeben, z.B. Ritter von Ghega, Gandhi, etc.

Anmerkung zum Erfolg?
Erfolg ist nicht die einzige Triebfeder, sondern Ziele zu erreichen - daraus ergibt sich dann Erfolg. Man darf nicht wie ein Beamter auf die Pension zusteuern und schon mit 20 wissen, was man mit 55 verdienen wird.

Ein Ratschlag zum Erfolg?
Man muss an ein Ziel glauben und es verfolgen. Zukunftsglaube und Grundoptimismus sind wichtig - vieles wird krankgejammert.

Helmut Portele sagte stets, er wolle mindestens 120 Jahre alt werden, um all seine Vorhaben zu realisieren. Auch wenn ihm das nicht vergönnt war, füllen seine Taten weit mehr als die Schaffenskraft von 120 Jahren.